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Prozessvalidierung für Medizinprodukte – Planung, Begleitung und Durchführung

Die Prozessvalidierung gehört zu den anspruchsvollsten Themen im Qualitätsmanagement für Medizinprodukte. Wer hier konform arbeitet, schafft die Grundlage für reproduzierbare Produktqualität und einen reibungslosen Zertifizierungsprozess. Wer Lücken hinterlässt, stößt im Audit oder der TD-Prüfung auf Probleme – und das oft an Stellen, die sich im Nachhinein nur mit erheblichem Aufwand korrigieren lassen.

Unser Team begleitet Hersteller und Zulieferer bei der Prozessvalidierung für Medizinprodukte – von der ersten Validierungsplanung über die Qualifizierung der Anlagen bis zur abschließenden Performance Qualification. Dabei bringen wir die Perspektive aus über 20 Jahren Audittätigkeit bei einer Benannten Stelle mit: Wir wissen, worauf Prüfer achten – und wo die typischen Stolperstellen liegen.

Fachlich geprüft von Dr. Gernot Oberländer
Diplombiologe · 20 Jahre Leitender Auditor und Fachexperte bei TÜV Rheinland (0197) · Planung, Begleitung und Durchführung von Prozessvalidierungen · Fachexperte für Sterilisationsverfahren, Reinigung und Verpackung · Medizinprodukte-Berater seit 2013

Was bedeutet Prozessvalidierung bei Medizinprodukten?

Die ISO 13485 fordert in den Kapiteln 7.5.6 und 7.5.7, dass Herstellprozesse validiert werden, deren Ergebnisse nicht durch nachfolgende Überwachung oder Messung verifiziert werden können. In der Praxis heißt das: Wenn Sie am fertigen Produkt nicht prüfen können, ob ein bestimmter Parameter eingehalten wurde, ist eine Prozessvalidierung erforderlich.

Das klassische Beispiel ist die Sterilisation. Ob ein Produkt tatsächlich steril ist, lässt sich am Endprodukt nicht zerstörungsfrei nachweisen. Deshalb wird der Sterilisationsprozess validiert – also der objektive Nachweis erbracht, dass er unter definierten Bedingungen zuverlässig das gewünschte Ergebnis liefert.

Aber es geht weit über Sterilisation hinaus. Typische validierungspflichtige Prozesse bei Medizinprodukten sind Schweißen und Löten, Kleben, Kunststoffspritzguss (sofern sicherheitsrelevante Parameter betroffen sind), Reinigungsprozesse in der Produktion, Sterilverpackung und Siegelnahtprozesse sowie Beschichtungen.

Gut zu wissen:
Auch die FDA fordert in 21 CFR 820.75 (bzw. seit 02.02.2026 in der QMSR mit Verweis auf ISO 13485) die Validierung von Prozessen, deren Ergebnisse nicht vollständig verifiziert werden können. Für international ausgerichtete Hersteller ist die Prozessvalidierung daher nicht nur eine europäische, sondern eine globale Anforderung – auch im Rahmen von MDSAP.

IQ, OQ, PQ – die drei Phasen der Prozessvalidierung

Die Prozessvalidierung für Medizinprodukte folgt einem bewährten Stufenmodell, das sich international durchgesetzt hat. Die drei Phasen – Installationsqualifizierung (IQ), Funktionsqualifizierung (OQ) und Leistungsqualifizierung (PQ) – bauen aufeinander auf und decken den gesamten Nachweis ab.

Installationsqualifizierung (IQ): In dieser Phase wird dokumentiert, dass die Anlage oder Ausrüstung korrekt installiert ist und den Herstellerspezifikationen entspricht. Dazu gehören die Prüfung der technischen Dokumentation, Kalibrierungsnachweise, Medienversorgung und Umgebungsbedingungen. Bei komplexen Anlagen kann der IQ eine vorgelagerte Design Qualification (DQ) sowie ein Factory Acceptance Test (FAT) und ein Site Acceptance Test (SAT) vorausgehen.

Funktionsqualifizierung (OQ): Hier wird nachgewiesen, dass der Prozess innerhalb der festgelegten Betriebsparameter (Worst-Case-Grenzen) funktioniert. Typischerweise werden die oberen und unteren Grenzwerte der Prozessparameter getestet, um sicherzustellen, dass das Prozessergebnis auch unter ungünstigen Bedingungen spezifikationsgerecht ist.

Leistungsqualifizierung (PQ): Die abschließende Phase zeigt, dass der Prozess unter realen Produktionsbedingungen reproduzierbar das gewünschte Ergebnis liefert. Hier kommen statistisch fundierte Stichprobenpläne zum Einsatz, um die Prozessfähigkeit nachzuweisen.

Auf einen Blick – Phasen der Prozessvalidierung:

IQ (Installationsqualifizierung): Anlage korrekt installiert? Spezifikationen erfüllt? Kalibrierung aktuell?
OQ (Funktionsqualifizierung): Prozess funktioniert innerhalb der Worst-Case-Grenzen?
PQ (Leistungsqualifizierung): Prozess liefert unter Routinebedingungen reproduzierbar das gewünschte Ergebnis?

Prozessvalidierung-bei-Medizinprodukten

Validierungsdokumentation – was Prüfer erwarten

Die Dokumentation einer Prozessvalidierung für Medizinprodukte umfasst typischerweise den Validierungsplan, die Qualifizierungsprotokolle (IQ, OQ, PQ), den Validierungsbericht und gegebenenfalls einen übergeordneten Validierungsmasterplan. Jedes dieser Dokumente folgt einer klaren Struktur – und genau diese Struktur wird im Audit geprüft.

Der Validierungsbericht ist dabei das zentrale Dokument. Er fasst die Ergebnisse zusammen, vergleicht sie mit den Akzeptanzkriterien und enthält die Freigabeentscheidung. Häufig sehen wir in Audits, dass Validierungsberichte zwar existieren, aber die Verbindung zwischen Plan, Durchführung und Ergebnis nicht nachvollziehbar ist. Das führt zu Rückfragen und kann im schlimmsten Fall als unzureichende Validierung bewertet werden.

Die GHTF-Leitlinie GHTF/SG3/N99-10 (heute unter IMDRF veröffentlicht) gibt eine international anerkannte Struktur für den Validierungsprozess vor. Für spezifische Sterilisationsverfahren sind die Anforderungen an die Dokumentation in den jeweiligen Normen – etwa der ISO 11135 für EO-Sterilisation – detailliert beschrieben.

Wann ist eine Prozessvalidierung erforderlich – und wann nicht?

Die Entscheidung, ob ein Prozess validiert werden muss, ist nicht pro Produkt oder Prozess zu treffen, sondern pro Produktparameter. Entscheidend ist die Frage: Kann die betreffende Eigenschaft am Endprodukt – oder an einem geeigneten Zwischenschritt – verifiziert werden? Wenn ja, genügt unter Umständen eine Prozessverifikation mit 100-%-Prüfung. Wenn nein, ist eine Validierung erforderlich.

In der Praxis erleben wir zwei typische Fehler. Der erste: Unternehmen validieren zu viele Prozesse – auch solche, die sich problemlos verifizieren ließen. Das bindet Ressourcen, ohne einen Mehrwert für die Produktsicherheit zu schaffen. Der zweite Fehler ist gravierender: Validierungspflichtige Prozesse werden übersehen, weil die Bewertung nicht systematisch anhand der Produktparameter erfolgt ist.

Ein risikobasierter Ansatz hilft bei der Entscheidung. Die Schwere des Versagens einer Produkteigenschaft – also was passiert, wenn der Prozess die spezifizierten Parameter nicht einhält – bestimmt auch die Anforderungen an die Prozessfähigkeit und den Umfang der Validierung. Das Risikomanagement nach ISO 14971 liefert hier die notwendigen Eingangsdaten.

Typische Validierungsprozesse bei Medizinprodukten

In unserer Beratungspraxis begegnen uns bestimmte Validierungsthemen besonders häufig. Dazu gehören die Validierung von Sterilisationsverfahren (Dampf, Ethylenoxid, H₂O₂-Plasma, Formaldehyd, Gammastrahlung) nach den jeweiligen Normen der ISO-11135- und ISO-11137-Reihe. Ebenso häufig begleiten wir die Validierung von Reinigungsprozessen in der Produktion und Endreinigung – ein Thema, das gerade bei implantierbaren Produkten kritisch ist.

Die Verpackungsvalidierung nach ISO 11607 ist ein weiterer Schwerpunkt. Hier geht es um die Validierung der Siegelnahtprozesse und den Nachweis der Sterilbarriere über die gesamte Haltbarkeitsdauer. Eng damit verknüpft ist die Beauftragung externer Prüflabore für Dichtheitsprüfungen und Alterungstests.

Nicht zuletzt begleiten wir die Validierung spezieller Fertigungsprozesse wie Kunststoffschweißen, Laserschweißen, Kleben oder Beschichten – Prozesse, bei denen die Verbindungsqualität am Endprodukt oft nicht zerstörungsfrei prüfbar ist.

Der Validierungsplan – zentrale Grundlage

Jede Prozessvalidierung für Medizinprodukte beginnt mit einem Validierungsplan. Er definiert den Umfang, die Akzeptanzkriterien, die statistischen Methoden, die Verantwortlichkeiten und den Zeitplan. In der Praxis empfehlen wir zusätzlich einen übergeordneten Validierungsmasterplan (VMP), der alle validierungspflichtigen Prozesse eines Unternehmens zusammenfasst und priorisiert.

Worauf Prüfer einer Benannten Stelle bei der Bewertung besonders achten: Der Validierungsplan sollte eine klare Verbindung zum Risikomanagement herstellen. Die Akzeptanzkriterien leiten sich idealerweise aus den Produktspezifikationen und der Risikoanalyse ab – nicht aus willkürlich gewählten Grenzwerten. Und die statistischen Methoden (Stichprobenumfang, Prozessfähigkeitsindizes) sind nachvollziehbar zu begründen.

Aus der Praxis:
Einer der häufigsten Befunde in Audits ist die fehlende Verbindung zwischen Validierungsplan und Risikoanalyse. Wenn die Akzeptanzkriterien nicht aus dem Risikomanagement abgeleitet sind, fehlt dem Validierungsbericht die inhaltliche Grundlage. Das führt regelmäßig zu Abweichungen – unabhängig davon, ob die Prozessergebnisse selbst in Ordnung sind.

Sonderfall: Software in Produktionsprozessen

Wenn automatisierte Prüfprozesse oder Prozesssteuerungen Software enthalten, ist auch diese Software zu validieren – das wird häufig übersehen. Die ISO 13485 fordert in Kapitel 7.5.6 ausdrücklich, dass die Anwendung von Software, die in Produktionsprozessen eingesetzt wird, vor dem ersten Einsatz validiert werden muss (Computer System Validation, CSV). Das betrifft etwa SPS-gesteuerte Fertigungsanlagen, automatisierte Prüfsysteme und Software zur Chargenfreigabe.

Die Abgrenzung zwischen Prozessvalidierung und Softwarevalidierung ist dabei nicht immer trennscharf. In der Praxis empfehlen wir, die Softwarevalidierung als integrierten Bestandteil der Prozessvalidierung zu betrachten – insbesondere dann, wenn die Software sicherheitsrelevante Prozessparameter steuert oder überwacht.

Revalidierung – wann ist sie erforderlich?

Eine Prozessvalidierung ist keine einmalige Angelegenheit. Die ISO 13485 fordert, dass validierte Prozesse bei Änderungen erneut bewertet und gegebenenfalls revalidiert werden. Das betrifft Änderungen an der Anlage, an Prozessparametern, an Materialien oder an der Produktspezifikation. Auch ein Standortwechsel oder der Austausch wesentlicher Anlagenkomponenten kann eine Revalidierung auslösen. Erneute Validierungen ohne besonderen Anlass beinhalten in der Regel nur eine erneute Leistungsbeurteilung, um die Ergebnisse der Erstvalidierung zu bestätigen.

Darüber hinaus sollte die fortlaufende Prozessüberwachung (Continued Process Verification) belegen, dass der validierte Zustand dauerhaft aufrechterhalten wird. In der Praxis geschieht das über regelmäßige Prozessmonitoring-Daten, Trendanalysen und statistische Prozesskontrolle (SPC). Ergeben sich dabei signifikante Abweichungen, wird über das Abweichungsmanagement entschieden, ob eine Revalidierung notwendig ist.

Continued Process Verification ist kein einmaliges Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess. Sie sollte in das reguläre Qualitätsmonitoring integriert werden – mit festgelegten Kontrollintervallen, definierten Überwachungsparametern und klaren Eskalationskriterien. In Audits wird zunehmend nicht nur die initiale Validierung geprüft, sondern auch der Nachweis, dass der validierte Zustand über die Zeit aufrechterhalten wird.

Häufige Fehler bei der Prozessvalidierung – und wie Sie sie vermeiden

Aus unserer langjährigen Auditerfahrung kennen wir die typischen Stolperstellen bei der Prozessvalidierung für Medizinprodukte. Die häufigsten Fehler, die wir in der Praxis sehen: Akzeptanzkriterien, die nicht aus dem Risikomanagement abgeleitet sind, sondern willkürlich festgelegt wurden. Stichprobenpläne ohne statistisch nachvollziehbare Begründung. Fehlende oder unvollständige Validierung der Prüfmethoden, die zur Bewertung der Prozessergebnisse eingesetzt werden. Keine klare Regelung für die Revalidierung bei Änderungen – oder Änderungen, die durchgeführt wurden, ohne den Einfluss auf bestehende Validierungen zu bewerten.

Darüber hinaus erleben wir, dass die Verantwortlichkeiten für die Prozessvalidierung nicht klar geregelt sind. Die verantwortliche Person nach Artikel 15 MDR (PRRC) trägt zwar die übergeordnete Verantwortung für die regulatorische Konformität – die operative Durchführung der Prozessvalidierung liegt aber in der Regel bei der Produktion oder der Qualitätssicherung. Eine klare Zuordnung im QM-System vermeidet Lücken.

Prozessvalidierung für Medizinprodukte – internationale Anforderungen

Neben den europäischen Anforderungen aus ISO 13485 und MDR stellen auch andere Märkte eigene Erwartungen an die Prozessvalidierung. Die FDA verweist in der QMSR (ehemals 21 CFR 820) auf die ISO 13485, erwartet darüber hinaus aber eine besonders lückenlose Dokumentation. In MDSAP-Audits wird die Prozessvalidierung explizit als einer der fünf Audit-Tasks geprüft.

Die GHTF/SG3/N99-10 (heute IMDRF) bietet eine international anerkannte Leitlinie für die Prozessvalidierung bei Medizinprodukten. Für spezifische Prozesse existieren eigene Normen – etwa die ISO 17665 für die Dampfsterilisation, ISO 11135 für EO-Sterilisation, die ISO 11137-1/-2 für Strahlensterilisation oder die ISO 11607-1/-2 für Sterilverpackungen.

Unsere Leistungen bei der Prozessvalidierung für Medizinprodukte

Wir unterstützen Sie bei allen Schritten der Prozessvalidierung – unabhängig davon, ob Sie erstmalig validieren, eine bestehende Validierung aktualisieren oder sich auf ein externes Audit vorbereiten. Zu unseren Leistungen gehören die Erstellung von Validierungsmasterplänen und Einzelvalidierungsplänen, die Begleitung oder Durchführung von IQ, OQ und PQ, die Bewertung von Stichprobenplänen und statistischen Methoden, die Prüfung bestehender Validierungsdokumentationen sowie die Schulung Ihres Teams im Bereich Prozessvalidierung.

Unsere Beratung basiert auf der Erfahrung aus hunderten Audits bei Benannten Stellen. Wir wissen, welche Fragen gestellt werden – und helfen Ihnen, die Antworten bereits in Ihrer Dokumentation vorzubereiten.

Sie planen eine Prozessvalidierung oder haben Fragen zur bestehenden Dokumentation?

Wir unterstützen Sie gerne – von der Validierungsplanung bis zum erfolgreichen Audit.

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